Perlend wie glitzernde Tautropfen Illertisser-Zeitung 28.11.2006
Silke Aichhorn verzaubert ihr Publikum bei einem poetischen Abend mit himmlischen Harfenklängen im Barocksaal
Dass die Harfe als himmlisches Instrument gilt und als die Königin, diesem Prädikat machte Silke Aichhorn bei ihrem zauberhaften Konzert im Barocksaal des Illertisser Vöhlinschlosses wieder einmal alle Ehre. Romantisch, sinnlich und voll Poesie war der restlos ausverkaufte Abend, bei dem die Künstlerin einen virtuosen Querschnitt von der Klassik bis zur Moderne zog.
Nehmen wir den Belgier Félix Godefroid, Mitte des 19. Jahrhundert einer der größten Harfenvirtuosen, und seine Sérénade-Fantasie sur une mélodie de F. Schubert. Lehnen wir uns zurück in die blau gepolsterten Stühle im heimeligen Barocksaal und schließen die Augen.
Leise flehen meine Lieder, rezitiert die Künstlerin des Abends jenes Gedicht, auf dem die Komposition basiert. Denn Lyrik und Musik so sanft zu verbinden, diese Idee zieht sich durch das ganze Konzert wie eine sprichwörtlich rote Harfensaite.
Schwelgen und genießen
Und während wir da sitzen und genießen und schwelgen in einem raumerfüllten Harfenhimmel, perlt sich Silke Aichhorn durch ihr Programm, wunderbar träumerisch und wir dürfen es uns für zwei Stunden leisten, uns fallen zu lassen in die Welt der Elegie.
Silke Aichhorn mischt die Stücke gekonnt, Bearbeitungen wechseln mit Originalliteratur, von der es allerdings sehr wenig gibt. Warum, auch das erklärt die Künstlerin, war die Harfe doch lange Zeit ein technisch sehr unausgegorenes Instrument, das erst ab 1830 mit einer diffiziler ausgereiften Pedalmechanik ausgestattet wurde. Auch erfährt der Zuhörer, gleich ob er seine Augen weiter geschlossen hält oder nicht, dass es ein aufwändiges Unterfangen ist, die Kunst der Harfe zu erlernen und erst recht zu beherrschen, was sich allein schon aus dem komplizierten Zusammenspiel der sieben in jeweils drei Stellungen einrastbaren Fußpedalen mit den Saiten des 30 000 Euro-aufwärts-teuren Instruments ergibt (siehe auch Wortweiser auf dieser Seite).
So ist es besonders beeindruckend, Werke zu hören, die ursprünglich für ein ganz anderes Genre geschrieben und erst später, oft von den Solisten selbst, für Harfe umgearbeitet worden sind. So wie etwa eine Klaviersonate von Wolfgang Amadeus Mozart, die Sonata Nr. 16, C-Dur, KV 545, auch Sonata facile genannt. Und es ist in der Tat ein ganz neues Erlebnis, die schwarzen und weißen Tasten eines Flügels in Harfensaiten akustisch wiederzufinden und zu entdecken. Angeblich soll es aber gerade Mozart gewesen sein, der die Harfe nicht mochte... Vielleicht rührte daher auch der kleine Pedalfehler im Andante. Doch der verschwindet ebenso schnell wieder aus der Wahrnehmung wie ein Traum ein flüchtiger Schaum ist.
Weiter träumen...
Was uns alle aber nicht weiter vom Träumen abhält, tauchen wir doch soeben wieder ein in das satte Grün irischer Wiesen, schottischer Hügel und Hochtäler, auf Stippvisite im Palast der Royals, wo die Harfe Tradition hat und wie nirgendwo sonst gespielt und gepflegt und verehrt wird.
John Thomas war so einer. Er war Harfenist der Königin von England und Komponist einer Vielzahl von Stücken und Konzerten eigens für die Harfe. Eines davon hören wir - Le soir - Premier Impromptu. Nach einem Gedicht von Lord Byron, das den Frühling wie ein laues Band durch den Saal im zarten Abendlicht flattern lässt. Einfach herrlich!
Die Krönung folgt. Es ist Die Moldau von Smetana (bearb. Trnecek) - und ein fulminantes Experiment. Unbeschreiblich, wie es die Harfe vermag, ein ganzes Orchester zu ersetzen! Dahin zu perlen wie Tautropfen, wie die leichten Wogen und starken Stromschnellen des Flusses, über den sie ihr Saitenkleid legt wie einen filigranen Fächer. Wir dürfen die Augen wieder öffnen. Und erwachen. Es ist kein Traum. Aber es ist traumhaft!
Und auch nach einem beschwingenden Glas Wein im Kellergewölbe geht es verspielt und sinnlich weiter. Noch einmal dürfen wir abtauchen, Harmonienbögen einsaugen und über technische Raffinesse staunen, die Silke Aichhorn auf ihrem Instrument zelebriert. Dürfen einen Debussy erleben, mit einer Arabesque, die wiederum im Ursprung für Klavier komponiert wurde, erneut ein pittoreskes Stücklein von Sir Thomas, und: einen Liszt auf der Harfe namens Elias Parish-Alvars, der bis heute als außergewöhnlichster wie auch berühmtester Harfenvirtuose gilt: teuflisches Spiel vereint mit der klassischen Avantgarde eines Berlioz. Silke Aichhorns Interpretation ist kräftig und voll spannbogenweiter Dynamik.
Bevor es Nacht wird lauschen wir beinahe zum Schluss dann noch Carlos Salzedos Chanson de la nuit, ein Notenwerk, das reichlich modern und reich an Akzenten und Effekten daherkommt.
Von Engelbert Humperdinck ist schließlich das Nachtstück, technisch brillant und voller Gefühl, in dem die Funken der Liebe übersprühen - kein Wunder, er hat es ja auch für seine Angebetete - eine Harfenistin! - komponiert.
Als Zugabe gibt´s noch einen französischen Walzer. Applause! Applause! Und Merci von Herzen für diesen beseelten, engelsgleichen Konzertabend. (Andrea Stölzle)
Nachtmusik lässt die Zuhörer schwärmen Mindelheimer Zeitung 18.10.2006
Silke Aichhorn entlockt ihrer Harfe eine erstaunliche Fülle an Klängen An dem "Instrument de la poesie", der Harfe, brillierte Silke Aichhorn aus Traunstein in der Erlöserkirche. Sie brachte mit ihrem zauberhaften Harfenkonzert "Nachtmusik" die Zuhörer zum Schwärmen, nicht nur für die ausgesuchten romantischen Werke, die in eine träumerische Welt entführten, sondern vor allem auch durch ihr liebevolles und zugleich perfektes Spiel. An dem ältesten Musikinstrument unserer Erde zu spielen, begreift Silke Aichhorn nicht nur als Aufgabe für sich, sie gibt diese Kunst mit der sanften Musik an ihr Publikum weiter.
Während des Konzertes moderierte sie selbst, erläuterte nicht nur die einzelnen Werke und deren Komponisten, sondern gab Auskunft über die Harfe, wie man es ansonsten nicht gewohnt ist. Und dann natürlich die Musik. "Leise flehen meine Lieder", die "La Sérénade-Fantasie sur une mélodie" von Franz Schubert, op. 201, wurde von Félix Godefroid (1818-1897) für die Harfe umgeschrieben. Zauberhaft im Klang, zart interpretiert von Silke Aichhorn, ließ die Gäste des Konzertes aufhorchen. Für sie erblühte die irische "Last rose of summer" von John Cheshire (1839-1910).
Es waren Melodien, die das Publikum nicht nur mit den Lippen, sondern vor allem ihre Seelen lächeln ließen. "Die Moldau" von Bedrich Smetana ist ein sinfonisches Werk für ein großes Orchester. Diese Fülle von Klängen auf einer Harfe gespielt, ist das überhaupt möglich? Silke Aichhorn bewies es in ihrem grandiosen Spiel. Deutlich ließ sie die ersten Quellen, die zarten, springenden Tropfen von den Saiten perlen. Sie ging auf die Jagd am Flussufer und tanzte bei der Bauernhochzeit. (Diese hatte sie selbst für die Harfe bearbeitet.) Sie ließ die Moldau dahinströmen und erfreute mit den rauschenden Tönen. Ebenso faszinierend war die "Romances sans paroles" - Romanze ohne Worte - von Alphonse Hasselmanns (1845-1912) und das traurige und melancholische "The minstrel's adieu" von John Thomas (1826-1913).
Elias Parish-Alvars (1808-1849) brachte viele großartige Anregungen von seinen vielen Reisen aus dem Orient mit nach Europa. Er ließ die Harfenistinnen, ("Es ist ein Instrument für Frauen. Man stellt sie sich immer mit langem wallendem Haar vor", so Silke Aichhorn), die Saiten nicht nur zupfen. Bei seiner "Sérénade op. 83" mussten nicht nur die Fingernägel und -kuppen, auch die ganzen Hände die Saiten oder auch den Klangkörper beklopfen und streicheln. Alle Facetten der Spielmöglichkeiten wurden von Silke Aichhorn brillant aufgezeigt. So wurden das "Chanson dans la nuit" von Carlos Salzedo (1885-1961) und das "Nachtstück" von Engelbert Humperdinck (1854-1921) zu einem romantischen und zarten Abschied. Ein brausender Applaus war ihr sicher. Silke Aichhorn zählt zu den aktivsten und vielseitigsten Harfenistinnen ihrer Generation.
Sie konzertiert als Kammermusikerin ebenso wie als Solistin. Sie ist Mitglied des Trios "ArpaCantabile" (Sopran-Mezzosopran-Harfe), des Spohr-Duos (Violine-Harfe) und des Österreichischen Ensembles für Neue Musik (ÖENM) Salzburg. Ihre Ausbildung erhielt sie am Conservatoire de Lausanne und an der Hochschule in Köln. Mehrfach war sie Preisträgerin bei internationalen Wettbewerben. Sie erhielt mehrere Kulturpreise. Zu Rundfunk- und Fernsehauftritten wird sie regelmäßig eingeladen.
Ein begnadetes Trio Oberbayrisches Volksblatt und Traunsteiner Tagblatt 22.7.2006
Im freundlich-vornehmen Ambiente von Schloss Hartmannsberg fand ein Kammermusikabend in einer ganz raren Besetzung statt: Die Traunsteiner Harfenistin Silke Aichhorn hatte ihre Musikerfreunde Dejan Gavric, Flöte, und Johannes Erkes, Bratsche, zu einem Konzert mitgebracht, das fast 300 Jahre Musikgeschichte abdeckte.
Den Beginn in der Schlosskapelle machte ein Trio c-Moll des vielbeschäftigten Georg Philipp Telemann, ein farbiges und raffiniertes Beispiel dafür, welche Klangschätze es bei diesem Komponisten noch zu heben gibt. Fünf Sätze aus der "Suite altfranzösischer Tänze" von Marin Marais (1656 bis 1728) für Bratsche und Harfe entwickelten eine fantastische Vielfalt in Melos und Rhythmus. Besonders witzig und beeindruckend zugleich kam die archaisierende "Musette" durch den liegenden Bordunton der Bratsche daher. Die Guadagnini aus dem Jahr 1798 klang unter den Händen von Johannes Erkes satt, oft geradezu erdig, dann wieder herrisch, konnte auch den Charakter einer strahlenden Violine annehmen.
Das große Andante KV 315 aus Mozarts Mannheimer Zeit für Flöte und Harfe (ursprünglich für Orchesterbegleitung geschrieben) gab Dejan Gavric reichlich Gelegenheit, den "goldenen" Flötenton seiner Muramatsu flexibel und rein auch im leisesten Pianissimo auszuspielen, völlig frei von Nebengeräuschen. Im "Elegiac Trio" des britischen Komponisten Sir Arnold Edward Trevor Bax (1883 bis 1953), eines Spätimpressionisten, trat Silke Aichhorn endlich aus ihrer Begleitfunktion heraus und ließ die sehnlich erwarteten Harfenwogen Flöte und Bratsche umspielen, sorgte aber auch für kraftvolle Entwicklungen und Steigerungen.
Eine besondere Kostbarkeit bescherte den fasziniert lauschenden Zuhörern das "Duo Flöte-Bratsche Nr. 3" von Francois Devienne (1759 bis 1803), einem Meister der französischen Vorklassik: zwei Vollblutmusikanten wechselten sich in der Stimmführung in einem draufgängerischen "Allegro molto con espressione" (sie nahmen diese Vorschrift ernst) und einem herzerfrischenden, nicht weniger intensivem "Rondo" kollegial-kameradschaftlich ab.
Das "Impromptu Harfe Solo" von Gabriel Fauré, ein Auftragswerk für das Conservatoire Paris, ist ein ganz grosses Harfensolowerk, das als Eingangsprüfung für die Bewerber um einen Hochschulplatz dienen sollte. Silke Aichhorn führte alle Spielarten auf ihrer Salvi Arianna vor, benützte alle Ausdrucksmöglichkeiten von zärtlich und melancholisch bis aggressiv mit rauschenden Glissandos, perlenden Arpeggios und duftigen Flageoletts - so hört es sich also an, wenn eine begnadete Künstlerin mit ihrem Instrument geradezu verwachsen ist.
Den Schluss- und kompositorischen Höhepunkt des Abends bescherte die Sonate für Flöte, Viola und Harfe, die Claude Debussy 1915/16 komponiert hat. Einer zarten Pastorale, Klang gewordener Poesie, folgte ein durchgeistigtes, artifiziell durchgeformtes "Interlude" und ein resolut beginnendes Finale, das am Schluss das Pastoral-Thema wieder aufnimmt - reine, in sich geschlossene absolute Musik ohne Hintergedanken, von der Debussy selbst sagt, er wisse nicht, "ob man dabei lachen oder weinen soll". Vielleicht beides zugleich?
Beifallsstürme für Harfenistin und Orchester Heilbronner Stimme 20.6.2006
Was als improvisierte Einlage in Georg Friedrich Händels Ode "Das Alexanderfest" entstanden ist, hat bis heute nichts an Beliebtheit eingebüßt. Das Konzert B-Dur op.4,6 für Harfe und Orchester erfreute im Neuensteiner Schloss die Kultursommer-Gäste.
Silke Aichhorn musizierte mit dem Württembergischen Kammerorchester unter Ruben Gazarian mit Elan und spürbarer Spielfreude, differenzierte den Harfenklang bei den Wiederholungen und gefiel mit ihrem musikantischen Spiel.Das Larghetto war ihr weitgehend solistisch überlassen. Sie interpretierte es innig mit einem Gespinst feiner Töne in ihrer kleinen Kadenz. Im Finale erfreute der temperamentvolle Wettstreit mit dem äußerst präzise begleitenden Orchester.
Diese fruchtbare Zusammenarbeit fiel noch deutlicher im Concertino e-moll op.34 des Engländers Elias Parish-Alvars auf. Nach einer liebreizenden Orchestereinleitung setzt Aichhorn mit ihrem gefälligen Solo ein, einer Folge glitzernder Klangketten voller reizender Details. Nahtlos schließt sich die Romanze an: hier cantable Passagen, überraschende Wendungen samt einem brillanten solistischen Schluss. Dem stürmischen Beifall dankte Aichhorn mit dem bekannten Walzer von Auguste Durand.
Die Traunsteiner Harfenistin Silke Aichhorn begeisterte in Oberbrunnham
Sie hat ihr Repertoire. Das zieht sie durch. Nicht ganz zwei Stunden lang. Keineswegs verbissen. Aber konsequent. Und bewundernswert in der Mischung aus Könnerschaft und Didaktik. Damit glänzt die Traunsteiner Harfenistin Silke Aichhorn. Hebt sich, nicht allein auf Grund ihres selten solistisch zu erlebenden Instruments, heraus aus der Flut der (guten, ja auch exzellenten) Berufskollegen. Es ist ihre Art, die besticht, beflügelt, begeistert. Vom Muttchen bis zum Schulkind, vom Tachertinger Bürgermeister bis zum Musikexperten – Silke Aichhorn zieht sie alle in ihren Bann. Da mag der Raum noch so klein sein wie der kaum mehr als hundert Personen Platz bietende Saal im Obergeschoß des Kulturhauses von Oberbrunnham. Das allerdings ist ein Schmuckstück des auslaufenden nördlichen Chiemgaus. Seit zwei Jahren ein Magnet für Kunst- und Musikinteressierte, die bei der Besitzerin Erika Holzapfel, auf dem schieren flachen Land, rundherum nichts als Wald, Wiese und wundersame Ruhe, ausspannen können: Kunstwerke betrachten, sich ergötzen an der gezähmten Natur rund um das Anwesen und klassische Musik aus erster Hand genießen.
Das heißt bei Silke Aichhorn aber auch: Bei aller Kulinarik des Gehörten und Anmut des Gesehenen dazulernen. Sie spult ihr selbst moderiertes Repertoire nicht ab, sondern richtet es aus nach einem wohl durchdachten pädagogischen Plan. Sie erklärt an variantenreichen Beispielen ihr Instrument, die seit 5000 Jahren bekannte – und doch unbekannt gebliebene, weil normalerweise im Orchester meistens nur dienend eingesetzte – Harfe. Nicht eine Sekunde langweilt sich die Zuhörerschaft. Bekommt Genre-Unterschiede ebenso mit wie den Wandel der musikalischen Auffassungen und Stile, vom Minnegesang über die Folkloristik bis hin zu so umwerfenden „Apercus“ wie etwa dem als Zugabe gebrachten vertonten englischen Haiku von den bald gut, bald schlecht singenden Insekten.
Vieles, so erklärt die Musikerin mit dem herben Charme der früh selbstständig gewordenen Begabten und seit einem Jahr nicht wenig geforderten jungen Mutter, die sich landauf, landab in verschiedene Projekte einbringt und das Jahr über zahlreiche Auftritte als Solistin absolviert, – vieles, was sie vorträgt, ist für Harfe umgeschrieben. Etwa Bedrich Smetanas „Die Moldau“ aus dem populären „Ma Vlast“-Zyklus. Nach der brillanten Wiedergabe des das Orchester in seinem Vollklang perfekt nachahmenden Stücks muss Silke Aichhorn ihr Instrument neu stimmen. Überhaupt: Das teure, etwa 25 000 Euro werte Stück kostet sie viel Mühe, es zu pflegen, zu erhalten, zu transportieren. „In zehn Jahren ist so eine Harfe mit ihren 47 Saiten und 7 Pedalen nichts mehr wert, abgenützt“, erklärt sie.
Noch aber setzt sie ihr geliebtes, virtuos beherrschtes Instrument voll ein: ob für ein Sachranger Menuett, einen Mühlbach-Landler, ob für Händels (bearbeitetes) rauschendes „Alexandersfest“ oder das „größte klassische Solostück für Harfe“, das Louis Spohr komponierte, dessen Gattin Harfenistin war und mit ihrem Mann viel auf Reisen ging. Dass sie für Gabriel Faurés (fulminant gespieltes) Impromptu offene Ohren findet, ist weniger erstaunlich als dass ihr das ebenso gelingt mit der „Elegie an den Tod eines Schäfers“, komponiert von einem Zeitgenossen. Man merkte es, dass dieses Werk zu Silke Aichhorns Lieblingsstücken zählt. Das vorher gegebene Versprechen des „absolut Verträglichen“ wurde kompetent und durch eine verinnerlichte Wiedergabe eingelöst. Die am Ende hörbar blökenden Schafe gehören genau in die Landschaft, in die es Erika Holzapfel von Starnberg an die Alz gezogen hatte, um hier einen Traum zu realisieren: Perlen auf den Acker zu streuen.
Engel in der Klosterkirche- Silke Aichhorn beim Kultursommer Nordhessen Hessische Allgemeine 5.8.2005
Das Interesse war enorm. Das Publikum, das die romanische Klosterkirche Reichenbach überfüllte, war nicht nur aus dem nahen Hessisch Lichtenau gekommen...
Die Publikumsresonanz war berechtigt. Nicht nur wegen des ungewöhnlichen Erlebnisses eines Harfenkonzerts, sondern auch und hauptsächlich wegen der fabelhaften Qualität des Vortrags mit einer Künstlerin, die den Namen Virtuosin voll verdient: Silke Aichhorn.
Ihr technisches Können erstaunte, die Musikalität ihrer Interpretationen verzauberte. Und ihre köstlichen Plaudereien über und um ihr Instrument sprühten Sympathie aus- eine Künstlerin die man nicht nur bewundert, sondern auch mag.
Sie spielte ein fesselndes Programm, überwiegend aus dem nicht allzu großen Repertoire der Original-Harfenliteratur, mit Stücken u.a. der Komponisten G. Fauré, A. Hasselmanns, M. Tournier, B. Andrès. Wundervolle, einfühlsame Stücke, bei denen Silke Aichhorn die ganze Skala ihrer Interpretationskunst zeigen konnte. Und auch die zwei arrangierten Stücke, Smetanas "Moldau" und Debussys "Mondlicht" bereiteten tiefstes Vergnügen.
In der Volksvorstellung ist die Harfe das Instrument der Engel, und die Musik, die diese Künstlerin ihrem Instrument entlockte, war wirklich engelhaft und aufregend zugleich: die prachtvollen Glissandi, die Arpeggi, die feinst abgestufte Dynamik, die poetische Expressivität- und in der ersten Zugabe, der musikalische Witz: bei der Vertonung eines "Haiku" in englischer Sprache.
Ein fantastisches Programm das mit langem, lauten Applaus quittiert wurde. Und ein Stück Anschauungsunterricht: Silke Aichhorn hatte dem Publikum angeboten, nach vorne zu kommen und Fragen zu dem schlichten, aber herrlich klingenden Instrument zu stellen. Viele machten davon Gebrauch.
Virtuoses Duo brilliert Mühlacker Tagblatt, 05.07.2005
Harfenistin Silke Aichhorn und Flötist Dejan Gavric
Virtuoses Duo brilliert
Einen Abend der zarten, feinen Klänge erlebten die Besucher des Konzerts der Harfenistin Silke Aichhorn und des Flötisten Dejan Gavric am Sonntag im Laienrefektorium als weitere Fortsetzung der Klosterkonzerte Maulbronn. Die beiden Virtuosen beglückten mit ihrem vielseitigen Programm, noch mehr aber mit ihrer ausgereiften Virtuosität.
Das Duo trat in Maulbronn nicht zum ersten Mal auf. Das erklärt mit Sicherheit die Tatsache, dass es im Laienrefektorium des Klosters kaum noch einen freien Platz gab. Silke Aichhorn und Dejan Gavric entfalten auf ihren Instrumenten einen unvergleichlich empfindungsreichen, atmosphärischen Wohlklang.
Nicht nur bei der Interpretation spätromantischer oder impressionistischer Werke war das zu spüren, auch ein Barock-Werk, eine Sonate für Flöte und Basso continuo, einen Part, den nun die Harfe übernahm, von Johann Sebastian Bach, klang in dieser Besetzung graziös und geradezu höfischelegant.
Ein Frühwerk des achtjährigen Wolfgang Amadeus Mozart, die Sonate KV 29, gestalteten Silke Aichhorn und Dejan Gavric gleichfalls zu einem wahren Ohrenschmaus, ebenso wie die Sonate F-Dur, Opus acht, Nummer fünf, des Mozart-Zeitgenossen J. B. Krumpholz, deren Mittelsatz „Romance" mit seiner anrührenden Melodik Harfe und Flöte wie in einem Duett miteinander verband.
Ein echtes Bravourstück wählte sich Dejan Gavric mit der Fantasie über eine Thema aus Mozarts „Don Giovanni" von Friedrich Kuhlau aus. Dass der Solist damit aber sein virtuoses Können noch nicht bis zur Spitze ausbreitete, bewies er im zweiten Teil des Konzerts mit den Variationen über ein populäres Thema aus „Carnival of Venice" von Guido Briccialdi.
Darin erwies sich der in Belgrad geborene Flötist als Meister auf seinem Instrument, dem es gelang, ein wahres Brillantfeuerwerk aus schwierigsten Passagen innerhalb der fast zwei Dutzend Variationen des Themas, das hier zu Lande mit dem spöttischen Text „Mein Hut, der hat drei Ecken" unterlegt wurde, abzubrennen.
Doch bevor es dazu kam, waren spätromantische und impressionistisch geprägte Kompositionen erklungen, zu denen die beiden Musiker wie schon vor der Pause immer wieder launige Erläuterungen gegeben hatten. Mit dem Solostück für Harfe „Valse", Opus 83, von Auguste Durand animierte auch Silke Aichhorn die begeisterten Zuhörer zu Bravorufen.
Auch die übrigen ausgewählten Werke boten reizvolle musikalische Aufgaben für die beiden hochrangigen Interpreten, die erst nach Zugaben vom Podium entlassen wurden.
Kluges "Zwiegespräch" Trostberger Tagblatt 25./26.6.05
Kammerkonzert mit Harfenistin Silke Aichhorn und Flötist Dejan Gavric
In der ehrwürdigen Eingangshalle im Grabenstätter Schloss herrscht immer eine ganz besonders intime Atmosphäre. Kammermusik in des Wortes bestem Sinn lässt sich hier gut umsetzen.
So auch kürzlich. Die Schlosshalle war ausverkauft. Ein Trio-Ensemble war angesagt gewesen. Krankheitsbedingt fiel der Bratschist aus. So kam es zu einem fast hausmusikartig anmutenden, klug in Szene gesetzten Zwiegespräch von Harfe und Flöte.
Die Harfenistin Silke Aichhorn hat ihre Fangemeinde.
Das breite Spektrum von Klassik bis zur Moderne, die Feinheit der Klangnuancen, die überlegenen Sicherheit und nicht zuletzt die spielerische Eleganz schätzt man an ihr. Silke Aichhorns Saitenspiel ist reifer, überlegter, deswegen aber nicht weniger fließend geworden. Dazu gesellte sich mit Dejan Gavric ein ebenbürtiger Flötenspieler, in Technik und Stilempfinden mit der Harfenistin auf gleicher Höhe und Wellenlänge. Von Bach bis Mozart und von Debussy bis Fauré wurde ein bunter und doch in sich schlüssiger musikalischer Bogen gespannt. Weniger impulsives, eher intellektuelles partnerschaftliches Konzertieren bestimmte das Zusammenspiel von Flöte und Harfe.
Was an diesem Abend angenehm auffiel, das waren zum einen die an Miniaturen erinnernden kurzen Programmstücke und zum anderen die farbenfrohe Abwechslung quer durch verschiedenen Stilrichtungen. Mit einer Variationen-Folge von Marin Marias gab es gleich zu Beginn einen Vorgeschmack auf die Expressive Vielseitigkeit des Duos. Johann Sebastian Bach wurde mit einer ungewohnt galanten, im Final-Allegro aufregend virtuosen Sonate vorgestellt, der sich eine filigrane Sonate des erst 8-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart anschloss. Von Mendelssohn Bartholdy waren zwei liebliche Lieder ohne Worte zu hören und Jaques Iberts "Entr`acte" vermittelte spanisch-maurische Impressionen. Zu einer mystischen Erzählung gerieten die Pan-Stücke von Claude Debussy, abwechselnd für Flöte- und Harfe-Solo.
Dejan Gavric ging in seiner Empfindung mit einer Intensität auf, dass seine ohnehin hauchzarten Flötentöne sich, oftmals ganz leicht vibrierend, wie im Nichts auflösten.
Silke Aichhorn unterstützte die Flöte mit weichem Seitenklang. Wiegenlied-Romantik bestimmte Gabriel Faurés "Berceuse" und ein Feuerwerk virtuoser Flötentöne entlud sich mit dem "Carnival de venise " op.78 von Giulio Briccialdi. Mit seiner akrobatischen Spielweise stahl Dejan Gavric in diesen auf Effekt getrimmten Variationen über das Thema "Mein Hut der hat drei Ecken" Silke Aichhorn fast ein wenig die Schau. Stürmischer Applaus und eine selten gespielten Mozart-Zugabe zum Schluss.
Wie 47 Saiten klingen können Ludwigsburger Kreiszeitung vom 27.4.05
Des Wetters Launen vermochte Silke Aichhorn am Sonntagabend nicht zu besänftigen. Indes gelang der Künstlerin, die Stimmung der Zuhörer in der Michaelskirche mit dem sanft schimmernden Glanz Ihres Harfenspiels zu erhellen und ein für viele neues Licht auf ihr Instrument zu werfen.
In dem Gastspiel der Reihe "Asperg Klassisch" stellte die gefragte Harfenistin einmal mehr unter Beweis, welcher Klangreichtum diesen siebenundvierzig Saiten zu entlocken ist. Allgemeingut ist die Erfahrung des solistischen Harfenspiels nicht, ist doch eher der Eindruck präsent, welchen der Klangkörper aus der Tiefe des Orchestergrabens vermittelt.
Deshalb wurde dankbar angenommen, dass die Interpretin Wissenswertes über ihr Instrument, dessen Geschichte und die größeren und kleineren, bekannten und unentdeckten Werke des Abends, die sich von der Renaissance bis zum Jazz erstreckten, zum Besten gab. Als besonders angenehm erwies sich, dass Aichhorn einen warmen, weich fließenden Klang mit großer Differenzierungsfreude ausmalte.
Wohltuend dezent ließen sich zwei Piècen der spanischen Renaissance an. Gleichfalls von wohltuender Schlichtheit fanden sich bayrische Volksweisen vorgestellt, die mit dem reizvollen Klang des Instrumentes italienischer Provenienz vertraut machen wollten. Ins Metier der erhabenen Konzertliteratur führte Louis Spohrs Fantaisie c-moll op. 35. Nicht allein ob des hohen technischen Anspruchs, welcher einer Spielerin vom Format Aichhorn gewiss keine Mühen bereitet, gebührt ihr Bewunderung vielmehr für ihr interpretatorisches Geschick, mit Raffinement selbst feinste Schattierungen unterschiedlicher Valeurs wahrnehmbar gemacht zu haben.
Im zweiten Konzertteil sei als Glanzpunkt Gabriel Faurés Impromptu op.86 hervorgehoben. Es erhob sich ein himmlisches Rauschen, auf dessen Grund effektvolle Lichter mit äußerster Präzision aufgesetzt waren, das Spannungsfeld zwischen spätromantischer Empfindung und expressivem Gestus gekonnt abgeschritten wurde.
Neuland betrat man mit dem Schlussstück, einer viersätzigen Suite aus der Feder Pearl Chertoks, im Jazz-Stil gehalten, die die Harfenistin gekonnt rhythmisierend und mit viel Esprit dargeboten hatte. Für das Publikum war der Abend ein herausragendes Erlebnis, eine wertvolle Erfahrung jenseits ausgetretener Pfade.
Verbeugung vor der Harfe Bonner Rundschau 13.1.2005
Verbeugung vor der Harfe
Matinee-Konzert der Klassischen Philharmonie in Muffendorf
So eine lange Eröffnungsrede wie vor dem Konzert in der "Kleinen Beethovenhalle" Muffendorf hört man selten von Heribert Beissel. Das mochte am schönen Wetter, am ausverkauften Haus oder auch an der Solistin und Ihrem Instrument liegen. Denn im Rahmen der Konzertreihe "Seltene Instrumente" der Klassischen Philharmonie war bei diesem Matinee-Konzert die Harfe dran. Und das Kammerorchester hatte dafür mit Silke Aichhorn eine ebenso profilierte wie aparte Künstlerin gewinnen können.
Die bestritt zwar nur einen Teil des Konzertes, aber der hatte es dann auch in sich...Einzig die...
1. Violinen sorgten ab und an für kleinere Eintrübungen des souveränen Gesamteindrucks. Die allerdings von Silke Aichhorn mehr als kompensiert wurden. Die Harfenistin spielte gemeinsam mit dem Orchester, Claude Debussys "Danse sacrée" und "Danse profane" sowie das Konzert B-Dur... von G.F. Händel. Sie erwies sich bei den Debussy-Werken als ungemein nuanciert interpretierende Harfenistin, die ihr Publikum mit leuchtenden Arpeggien, zarten Klangschattierungen und viel impressionistischer Atmosphäre begeisterte. Ihre technische und auch stilistische Meisterschaft war dagegen mehr im Händel-Konzert zu hören.
Hier beeindruckte sie mit einem klanglich und musikalisch perfekt aufs Orchester abgestimmtem Spiel und ebenso perfekten Solo-Partien. Ihr Vortrag, das war barockes Konzertieren, fließend, ebenmäßig, virtuos, von seiner schönsten Seite.
Weihnachtskonzerte mit der Kammerphilharmonie Amadé und Frieder Obstfeld Westfalenpost 13.12.2004
Himmlische Klänge ohne Zuckerguss
Harfenistin Silke Aichhorn umjubelter Star
...Herausragend gelang Silke Aichhorn diese subtile Tonmalerei bei Claude Debussys Tänzen für Harfe und Streichorchester. Die sympathische junge Harfen-Virtuosin war die umjubelte Solistin des Abends....
Soester Anzeiger 13.12.2004 Weihnachtskonzert wie vom Wunschzettel
...Silke Aichhorn verkörpert das Urbild aller Harfenistinnen... mit langem wallenden Haar und der schlanken Gestalt... Für den großen Applaus bedankte sich Silke Aichhorn mit einer Miniatur des relativ unbekannten Franzosen Alphonse Hasselmanns. Wenngleich das Stück kein kompositorisches Meisterstück ist, gab es der Solistin doch die Möglichkeit, alle harfenistische Virtuosität auszuspielen: da ließ sie die Melodie singen, die Arpeggien rauschen, die Klangkaskaden perlen und gab dem Ganzen durch die feinen dynamischen Abstufungen Struktur...
Westfälische Nachrichten 13.12.2004 Amadés Harfe –Weihnachtskonzert
Der Harfe eilt nicht gerade der Ruf eines Soloinstrumentes voraus. Dient sie doch oft genug als übersinnliches I-Tüpfelchen im Orchester. Nicht so bei Händels Harfenkonzert B-Dur. Silke Aichhorn verlieh der feingliedrigen Musik am Freitag beim Weihnachtskonzert der Kammerphilharmonie Amadé in der Friedenskapelle Kontur und Atem. Toll, wie tiefgründig und sensibel sie das herrliche Larghetto gestaltete.... Ganz anders klingt das Instrument in Debussys sublimen "Tänzen für Harfe und Streichorchester". Hier verschmelzen die duftigen Klänge mit irisierender Streicherseligkeit. Dirigent Frieder Obstfeld forcierte die emphatischen Momente- dynamisch ausgekitzelt- zu einem fesselnden Hörerlebnis....
Neue Westfälische 15.12.2004 Ansturm auf die Kaiserpfalz
...Die Harfenistin Silke Aichhorn siedelte ihren Solopart in Händels Harfenkonzert jenseits allen aristokratischen Gezupfes und Gezirpes an. Statt dessen hob sie die Schlichtheit der Form und die Beredsamkeit des musikantischen Ausdrucks hervor. In Debussys Tänzen für Harfe uns Streichorchester ließ sie die Harfe durch die impressionistische Klangkulisse flirren, changierte zwischen wohliger Entrückung und pulsierender Dramatik. Nach der Zugabe empfing Silke Aichhorn eine Vielzahl interessierter Konzertbesucher zum Pausenseminar in Instrumentenkunde...
...Mozartabend mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn Heilbronner Stimme 21.10.04
...Mozartabend mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Ruben Gazarian
(mit Michael Faust, Flöte und Silke Aichhorn, Harfe)
...Dennoch steht auch dieses Werk des erwachsenen Mozart hinter dem folgenden Konzert für Flöte und Harfe zurück,bei dem der Funke spürbar übersprang. Bei diesem krönenden Abschluss
bewährte sich Silke Aichhorn als hervorragende Harfenistin. Obwohl sie es auf ihrem Zupfinstrument viel schwerer als die Flöte hatte, kantable Melodik zu bieten, gelang ihr dies bestens. Beide Solisten harmonierten vorbildlich und machten das dankbare Werk zum echten Erlebnis. Das zeigte auch der zuvor verhaltenere, doch jetzt zu Recht starke Beifall.
Süddeutsche Zeitung München 13.10.2003
Gewandhaus-Quartett und Silke Aichhorn begeistern Münchner Merkur 27.1.2004
Pizzicato der Geiger verleiht der Harfe ungewohnten Klangeffekt
Gewandhaus-Quartett und Silke Aichhorn begeistern
Ein Quartett, das auf einer 200-jährigen Tradition basiert, hat mit seinem Bekanntheitsgrad keine Probleme, aber eine musikalische Verpflichtung. Es hat einen Standard zu wahren, der es aus der unübersichtlichen Anzahl von Streichquartetten herausragen lässt. Das Gewandhaus-Quartett Leipzig erfüllt diese Forderung. Der Name dieses 1809 entstandenen Ensembles ist eine Leihgabe, die von einer Generation zur nächsten übergeht. Am Sonntag gastierte das Leipziger Gewandhaus-Quartett, das sich aus den jeweiligen Konzertmeistern, Solo Bratscher - und Cellist des Gewandhaus-Orchesters zusammensetzt, im Vaterstettener Rathaus.
Eine herausragende Eigenschaft des Quartetts ist sein Spiel. Kein Primarius ist als Stimmführung dominant hörbar. In einem wunderbaren Konsens, der vielleicht schon durch die gemeinsame Orchesterarbeit der Musiker entstanden ist, bietet das Quartett eine fast absolute Homogenität. Das versetzt den Zuhörer in ein, selten so empfundenes, musikalisches Wohlbehagen, ohne dass die Spannung verloren geht.
So hörte sich auch Joseph Haydns "Sonnenaufgangs-Streichquartett" op. 76 Nr.4, nicht wie oft gehört, als eine musikalische Pflichtübung an. Ohne versierte Abgeklärtheit, war dieser "Papa Haydn" voller Leben und Frische. Auch das in sich gekehrte, zur Meditation verführende, Adagio blieb voller Spannung. Der Finalsatz entwickelte sich, mit seinen, bis zum Schluss steigernden Tempi expressiv, wie es auch später in Beethovens Streichquartetten zu finden ist.
Kurt Schneeweis, der Initiator der Rathauskonzerte, bietet den Besuchern oft Außergewöhnliches. Am Sonntag war es die Harfenistin Silke Aichhorn, die im Solo die "Fantasie für Harfe" op.35, von Luis Spohr spielte. Spohr hat das Konzert , das er für seine Harfe spielende Frau schrieb, mit vielen effektvollen Glissandi und, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend, mit virtuoser Opulenz ausgestattet. Der Höhepunkt des Abends kam mit Felix Mendelssohn-Bartholdys "Streichquartett Nr.6 f.moll", op. 80. , in dem ein Thema im 1. Satz nicht ohne weiteres Erkennbar ist, da der Komponist unter der Fülle spontan einströmender musikalischer Ideen, diesen keine Entwicklung geben konnte. Im "Allegro assai" klären sich diese Gedanken und formen sich zu einem wunderschönem Thema, das sich wie ein Faden durch diesen 2. Satz zieht.
Zuletzt formierte sich das Gewandhaus-Quartett mit Silke Aichhorn zum Quintett, das mit einer Rarität aufwartete. Elias Parish-Alvars, ein Harfenvirtuose des 19. Jahrhunderts, schrieb das "Concertino in e-moll für Harfe und Streichquartett", op. 34. Es berührte, wie sensibel das Gewandhaus-Quartett hier die Harfe begleitete oder in das gemeinsame Konzertieren einbezog. Einen ungewöhnlichen Klangeffekt gab das Pizzicatospiel der Streicher zur Harfe, das neben anderen Effekten, dem Werk Originalität verlieh.
Das lang applaudierende Vaterstettener Publikum bekam mit einer kleinen Romanze von Ludwig Schütte eine äußerst liebenswerte Zugabe.